Im Anschluss an den vergangenen Blogpost um den Ersatz von US-Lösungen in deutschen Unternehmen erkären unsere Software-Experten Thomas Leiber und Maximilian Krüger, wie man so eine Umstellung am besten angeht.
Quo vadis? (Original: Johann Jaritz | CC BY-SA 4.0)
Die digitale Landschaft deutscher Unternehmen wird von US-amerikanischer Software dominiert. Während Startups überwiegend Google for Business nutzen, setzen etablierte Unternehmen auf Microsofts Office365. Dies bedeutet, dass sämtliche geschäftliche Kommunikation und Meetings auf Servern jenseits des Atlantiks gespeichert werden. Auch jenseits von Office ist amerikanische Software bei Betriebssystemen, Browsern oder Branchenlösungen omnipräsent.
In unserem letzten Blogpost haben unsere Software-Experten Thomas Leiber und Maximilian Krüger dargelegt, welche Risiken aus diesen Abhängikeiten erwachsen können – darunter die Nichteinhaltung der DSGVO, gefährliche Lock-In-Effekte und ein Verlust von Kundenvertrauen aufgrund einer zunehmender Senisbilität für digitale Souveränität.
Im Anschluss daran möchten wir hier erklären, wie man so eine Umstellung überhaupt durchführt, welche Rolle Open-Source-Software und die Entscheidung für das richtige Hosting dabei spielen können, und welche üblichen Fallstricke dabei auf jeden Fall vermieden werden sollten, um die digitale Transformation zu einem guten Ende zu führen.
Schrittweise digital souverän
Der Weg zur digitalen Souveränität erfordert ein strukturiertes Vorgehen. Unternehmen müssen ihre IT-Landschaft zunächst gründlich analysieren und dann methodisch Anpassungen vornehmen. Bei der Identifikation geschäftskritischer Prozesse und zugehöriger IT-Systeme sollten Unternehmen folgende Kernaspekte berücksichtigen:
1. Geschäftskritische Anwendungen und deren Datenverarbeitung
2. Systeme mit sensiblen Kundendaten
3. Infrastrukturkomponenten mit hoher Verfügbarkeitsanforderung
Nach der Identifizierung der kritischen Systeme ist es ratsam, mit überschaubaren Pilotvorhaben zu starten. Eine wertvolle Unterstützung bietet dabei das Mittelstand-Digital Zentrum durch seine kostenfreien Praxisprojekte, die Unternehmen bei der Implementierung menschzentrierter Digitalisierungsinitiativen begleiten.
Lösungen wollen gut implementiert werden. (Bild: Mozzihh | CC BY-SA 4.0)
Fallstricke zwischen Pilotprojekt und Migration
Die Praxiserfahrung der vergangenen Jahre offenbart wiederkehrende Herausforderungen bei Migrationsprojekten. Bemerkenswert ist, dass aktuell etwa 60% der befragten Organisationen ihre Cloud-Migration ohne vorherige strategische Planung durchführen. Für einen erfolgreichen Migrationsprozess ist die enge Abstimmung zwischen IT-Abteilung und den betroffenen Unternehmensbereichen aber unerlässlich.
Die Integration bestehender Legacy-Systeme stellt dabei eine besondere Herausforderung dar. Viele Organisationen verfügen über Altsysteme, deren Integration in moderne Infrastrukturen komplex ist. Dies kann zu isolierten Datenbeständen und eingeschränkter Transparenz führen. Auch die Datensicherheit verdient besondere Aufmerksamkeit. Laut Wavestone-Studie beklagen 70% der deutschen Unternehmen einen Fachkräftemangel im IT-Bereich. Frühzeitige Investitionen in Personalentwicklung sind daher essentiell.
Die Erfahrung zeigt außerdem, dass die Auswahl des passenden Betriebsmodells bei der Datenverarbeitung von entscheidender Bedeutung ist. Während Großunternehmen häufig auf Public-Cloud-Lösungen setzen, bevorzugen mittelständische Betriebe zunehmend Private-Cloud oder hybride Konzepte. Diese ermöglichen eine bessere Kontrolle über sensible Informationen und eine nahtlosere Integration mit der bestehenden IT-Landschaft.
Weg von der Cloud – Daten vor Ort verarbeiten
Die Wahl zwischen lokaler Installation und Cloud-Diensten erfordert eine strategische Analyse verschiedener Aspekte. Während Cloud-Lösungen mit Agilität locken, punkten On-Premise-Systeme durch maximale Kontrolle und Datensicherheit. Bei On-Premise-Software behalten Unternehmen die vollständige Hoheit über ihre IT-Landschaft. Sämtliche Informationen verbleiben im Firmennetzwerk und werden nur bei expliziter Freigabe extern zugänglich.
Ein weiterer wesentlicher Pluspunkt liegt in der Systemleistung. Die direkte Ausführung auf lokalen Servern garantiert deutlich schnellere Reaktionszeiten im Vergleich zu Cloud-Lösungen. Zudem können Unternehmen Updates selbstbestimmt durchführen, ohne von Cloud-Anbietern abhängig zu sein.
Dieser Weg setzt allerdings fundiertes IT-Fachwissen sowie kontinuierliche Wartung durch qualifiziertes Personal voraus. Die initialen Investitionen in Hardware und Lizenzen sind zwar substanziell, dafür entfallen wiederkehrende Subscription-Gebühren.
Nicht in der EU, aber in Europa: Server in CERN. (Bild: Florian Hirzinger | CC BY-SA 3.0)
Alternativen zwischen deutschem Hosting und Hybridlösungen
Eine überzeugende Zwischenlösung bietet das deutsche Hosting. Provider wie Open Telekom Cloud oder IONOS garantieren DSGVO-konforme Dienste mit Serverstandorten ausschließlich in Deutschland. Diese Option vereint Cloud-Vorteile mit europäischen Datenschutzstandards.
Andere Unternehmen entscheiden sich für hybride Konzepte, die On-Premise- und Cloud-Komponenten verbinden. Diese Strategie ermöglicht lokale Speicherung sensibler Daten bei gleichzeitiger Cloud-Nutzung für unkritische Anwendungen. Ein hybrider Ansatz bietet zwei zentrale Vorteile: Zum einen können bestehende Infrastrukturinvestitionen weitergenutzt und mit Cloud-Flexibilität kombiniert werden. Zum anderen ermöglicht dies eine bedarfsgerechte Workload-Verteilung zwischen Cloud und lokalem Rechenzentrum.
Besonders bemerkenswert ist die nahtlose Integrationsfähigkeit: Moderne Systeme, die früher auf ein einzelnes Rechenzentrum beschränkt waren, können heute flexibel über verschiedene Standorte hinweg, einschließlich interner Systeme, verteilt werden. Dies ermöglicht eine dynamische Anpassung der Ressourcen nach aktuellem Bedarf.
Allerdings bringt ein hybrider Ansatz auch spezifische Herausforderungen im Bereich der Sicherheitskonfiguration mit sich. Die Integration unterschiedlicher Systemlandschaften erhöht die Komplexität und erfordert zusätzliche Schutzmaßnahmen. Die Praxis zeigt jedoch, dass hybride IT-Strukturen für viele Organisationen eine besonders wirtschaftliche und leistungsfähige Option darstellen. Entscheidend ist dabei ein durchdachtes hybrides IT-Management, um eine unkontrollierte Ausbreitung von SaaS-Lösungen und Schatten-IT zu verhindern.
Bei Software europäisch denken
Der Wechsel zu europäischen oder Open-Source-Softwarelösungen stellt eine Lösung dar, die nicht nur den Datenschutz gewährleistet, sondern auch die Unabhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern fördert. Europäische Softwarelösungen, die speziell für den europäischen Markt entwickelt wurden, garantieren, dass Ihre Daten innerhalb der EU gespeichert und verarbeitet werden, wodurch die Einhaltung der DSGVO sichergestellt wird.
Darüber hinaus bieten Open-Source-Lösungen einen zusätzlichen Vorteil: Sie bieten vollständige Transparenz und Kontrolle über den Quellcode. Dies ermöglicht es Unternehmen, ihre Software an ihre spezifischen Bedürfnisse anzupassen und die Sicherheit zu erhöhen, da jeder Aspekt der Software einsehbar ist. Open-Source-Software hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen und ist mittlerweile in vielen Bereichen eine konkurrenzfähige Alternative zu proprietärer Software.
Die richtige Strategie ist entscheidend für eine erfolgreiche digitale Transformation. Gerne unterstützen wir Sie mit individueller Beratung – kontaktieren Sie unseren Vertrieb für ein persönliches Gespräch zu Ihren spezifischen Anforderungen.