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Digitale Souveränität | Warum Sie sich digital unabhängig machen sollten

von Thomas Leiber⠀|⠀

In diesem Blogpost erklären unsere Softwareexperten Thomas Leiber und Maximilian Krüger, wie es um die Softwaresourverinität deutcher Unternehmen bestellt ist – und warum es eine gute Idee ist, die eigene Abhängigkeit von Microsoft oder Google zu überdenken.

Hoch im Kurs: Software aus der EU. (Bild: bobbsled | CC BY-SA 2.0)

Die digitale Landschaft deutscher Unternehmen wird von US-amerikanischer Software dominiert. Während Startups überwiegend Google for Business nutzen, setzen etablierte Unternehmen auf Microsofts Office365. Dies bedeutet, dass sämtliche geschäftliche Kommunikation und Meetings auf Servern jenseits des Atlantiks gespeichert werden. Auch jenseits von Office ist amerikanische Software bei Betriebssystemen, Browsern oder Branchenlösungen omnipräsent.

Die zunehmende Abhängigkeit deutscher Organisationen von amerikanischen Tech-Giganten entwickelt sich zu einem kritischen Problem. Besonders besorgniserregend ist, dass populäre Lösungen wie Windows 10 und Office365 nicht DSGVO-konform sind, da sie massiv auf Cloud Computing und grenzüberschreitenden Datentransfer setzen.

Im Zuge dieser Entwicklungen werden offene oder europäische Softwarelösungen für Unternehmen immer wichtiger. In diesem Leitfaden zeigen wir auf, welche Probleme durch eine zu starke Bindung an US-Software entstehen und welche Vorteile sich aus einem Umstieg für Ihr Unternehmen ergeben können.

Die Causa Datenschutz

Daten sind das Rückgrat jedes modernen Unternehmens. Sie enthalten nicht nur vertrauliche Geschäftsinformationen, sondern auch personenbezogene Daten von Kunden, Partnern und Mitarbeitern. Die Art und Weise, wie diese Daten gespeichert und verarbeitet werden, ist entscheidend für die Sicherheit und das Vertrauen, das Kunden in ein Unternehmen setzen. Die Speicherung von Daten außerhalb Europas, dass Unternehmen diese Daten nicht vollständig kontrollieren können. Das Risiko, dass sensible Informationen in falsche Hände geraten oder missbraucht werden, ist insbesondere bei US-Anbietern oft höher.

Gründe dafür ist unter anderem der US CLOUD Act. Diese Gesetzgebung ermächtigt US-Behörden, unter spezifischen Voraussetzungen auf Daten zuzugreifen, die von amerikanischen Cloud-Dienstleistern international gespeichert werden. Die Datenschutzkonferenz der Länder warnt nachdrücklich: Standard-Datenschutzklauseln reichen nicht aus, um bei US-Anbietern ausreichenden Datenschutz zu garantieren.

Fürderhin kritisch sind die weitreichenden Zugriffsmöglichkeiten amerikanischer Sicherheitsbehörden auf in den USA verarbeitete Daten. Diese Zugriffsrechte basieren auf Section 702 FISA und Executive Order 12 333, wodurch europäischen Nutzern Kontrollmöglichkeiten über die behördliche Datennutzung fehlen. Zusätzlich mangelt es an Interventionsrechten für Auskunft, Löschung oder Korrektur betroffener Daten.

Im Glashaus will keiner sitzen. (Bild: Basile MorinCC BY-SA 4.0)

Souveränität ist auch ein Wettbewerbsvorteil

Die konsequente Umsetzung von Datenschutzstandards entwickelt sich zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. Eine aktuelle Bitkom-Analyse belegt: 83 Prozent der Konsumenten präferieren Unternehmen mit besonders hohen Datenschutzstandards.

Allerdings erkennen momentan nur 29 Prozent der Unternehmen in der DSGVO einen Wettbewerbsvorteil. Parallel berichten 70 Prozent von Herausforderungen durch die uneinheitliche DSGVO-Interpretation in verschiedenen EU-Ländern.

Für nachhaltige digitale Souveränität müssen Unternehmen daher:

1. Systematisch ihre Abhängigkeiten von nicht-europäischen Anbietern evaluieren
2. Europäische Alternativlösungen intensiv prüfen
3. Datenschutz als strategisches Asset positionieren und kommunizieren
4. Ausgewogene Hybrid-Strategien für Sicherheit und Effizienz entwickeln

Die Relevanz digitaler Souveränität manifestiert sich besonders in Krisenzeiten. Technologie-Zugangsbeschränkungen können wirtschaftliche Handlungsfähigkeit massiv einschränken, wie die Halbleiter-Lieferengpässe mit resultierender Kurzarbeit in der deutschen Industrie demonstriert haben.

Auch bei der Skalierung gibt es Probleme

US-Standardsoftware bietet oft nur begrenzte Anpassungsoptionen für spezifische Unternehmensanforderungen. Studien belegen, dass bis zu 25 Prozent der erworbenen Lizenzen kaum genutzt werden – Kosten entstehen dennoch.

Besonders herausfordernd gestaltet sich die Situation im SaaS-Bereich (Software as a Service). Der aktuelle State of ITAM Report 2022 zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Die SaaS-bezogenen Ausgaben übersteigen mit 33 Prozent deutlich die Quote ungenutzter Lizenzen. Bemerkenswert ist auch der jährliche Kostenanstieg von 15 bis 20 Prozent, während Unternehmen durchschnittlich 125 verschiedene SaaS-Lösungen einsetzen, die pro Mitarbeiter jährliche Kosten von 1.040 US-Dollar verursachen.

Die starke Bindung an US-Softwareanbieter schränkt Unternehmen bei der IT-Weiterentwicklung erheblich ein, da sie an die vorgegebene Roadmap der Anbieter gebunden sind. Spezifische Unternehmensanforderungen oder regionale Besonderheiten bleiben dabei häufig unberücksichtigt. Zudem können Änderungen der Lizenzbestimmungen oder Funktionsanpassungen zu unerwarteten Mehrkosten führen.

Ausfahrt gesucht! (Original: Andrew Abbott | CC BY-SA 2.0)

Raus aus der Abofalle!

Die Cloud-basierte Dienste führen durch ihre Abo-Modelle zu einer stetigen Kostensteigerung. Ein prägnantes Beispiel lieferte Microsoft mit einer Preiserhöhung von 11 Prozent für Cloud-Services in 2023. Eine aktuelle Studie verdeutlicht den Umfang: Allein die deutsche Bundesregierung unterhält Rahmenverträge im Wert von 13,6 Milliarden Euro mit den führenden US-Softwareanbietern.

Die Integration amerikanischer Software führt zudem zu einer Lock-in-Situation. Mit zunehmender Prozessintegration steigen die Hürden und Kosten eines späteren Systemwechsels erheblich. Dies zeigt sich exemplarisch am Rahmenvertrag der Bundesregierung mit Oracle über 4,6 Milliarden Euro bis 2030.

Auch der Datenschutz kann bei solchen Abos nicht gewährleistet werden. Besonders kritisch erweist sich die Lage bei Microsoft 365, wo selbst bei minimaler Einstellung der „Diagnosedaten“ noch immer Informationen für „grundlegende Dienste“ wie Authentifizierung oder Lizenzprüfungen übertragen werden. Diese Datenübermittlung erfolgt selbst dann, wenn die Diagnosedaten auf das geringste Niveau eingestellt sind.

Zeit für Veränderung

Der Umstieg auf europäische und Open-Source-Softwarelösungen ist eine zukunftssichere Entscheidung für Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur aufbauen oder modernisieren möchten. Die zunehmende Unsicherheit im internationalen Umfeld und die Notwendigkeit, den Datenschutz auf höchstem Niveau zu gewährleisten, machen den Wechsel zu lokalen und offenen Softwarelösungen besonders attraktiv. Unternehmen können so nicht nur ihre Daten besser schützen, sondern auch ihre Unabhängigkeit und Flexibilität erhöhen.

Die richtige Strategie ist entscheidend für eine erfolgreiche digitale Transformation. Gerne unterstützen wir Sie mit individueller Beratung – kontaktieren Sie unseren Vertrieb für ein persönliches Gespräch zu Ihren spezifischen Anforderungen.

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Ein Beitrag von: Thomas Leiber

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